FLORIAN ILLIES
Nach den Regeln der Kunst


INTERVIEW: BJÖRN BRÜCKERHOFF
BILDER:
JENS RÖTZSCH, AGENTUR OSTKREUZ


Florian Illies, geboren 1971, hat im Jahr 2000 den Versuch unternommen, die Erinnerungen seiner Generation in einem Buch zu systematisieren. Sein Erstling "Generation Golf" wurde zum Bestseller. Wie bei jeder Erfolgsstory fanden sich zahlreiche Neider und Nachahmer. Illies arbeitete als Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Heute lebt er als Autor in Berlin, hat zwei weitere erfolgreiche Bücher geschrieben und gerade begonnen, zusammen mit seiner Frau Amélie von Heydebreck ein Magazin für "Kunst und Leben" herauszugeben.

Zwar war Illies als Feuilletonredakteur stets fern des Kugelhagels (Illies über Illies), dennoch ist ihm natürlich die in allen Bereichen überzeugende Kraft der Bilder wohlbekannt. Sein Magazin "Monopol", für sieben Euro im gut sortierten Zeitschriftenhandel zu erwerben, beschäftigt sich "tiefsinnig und humorvoll" mit dem, was uns täglich an Oberflächlichkeiten umgibt. Hauptsächlich geht es um die Kunst.

AUSGABE 38
DER BILDERSTURM




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EDITORIAL VON BJÖRN BRÜCKERHOFF
INTERVIEW MIT FLORIAN ILLIES
MARKENKOMMUNIKATION DES TERRORISMUS
KEINE ANGST VOR DER WAHRHEIT
DOPPELT UND DREIFACH BESTRAFT
OPFER DER GEWOHNHEIT
ETHIK UND JOURNALISMUS: WIDERSPRUCH?
DAS VISUELLE TIER
LIEBER FÜNF MINUTEN ZWEIFELN...
EIN BILD LÜGT MEHR ALS TAUSEND WORTE
BILDER, DIE DEN KOPF VERDREHEN
BILDER, TIEFGEFROREN

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Mit Oberflächlichkeiten hat Illies bereits 2000 in seinem Buch "Generation Golf" hantiert. Darin wies er sich als minutiöser Beobachter der Siebziger und Achtziger Jahre aus aber nicht selten reduziert auf eine bildreiche Erinnerung an Markennamen. Vielfach wurde ihm vorgeworfen, seine eigene Weltsicht dieser Jahrzehnte in den Stand der Allgemeingültigkeit zu erheben.

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Und dies, obwohl Illies sein gern als "Sachbuch" bezeichnetes Werk ironisierend enden lässt: "Wir haben, obwohl kaum erwachsen, schon jetzt einen merkwürdigen Hang zur Retrospektive, und manche von uns schreiben schon mit 28 Jahren ein Buch über ihre eigene Kindheit, im eitlen Glauben, daran lasse sich die Geschichte einer ganzen Generation erzählen."

In der Gegenwart spricht  Illies über die Bedeutung der Bilder, das Politische in einem Kunstmagazin und den Missbrauch der Medien durch den Terrorismus.

Die Gegenwart: Herr Illies, überall Krise: in der Politik, in der Wirtschaft, in den Medien. Und Sie gründen das Kunstmagazin "Monopol". Wo ist die Medienkrise geblieben?

Florian Illies:
Man sagt ja immer: als Unternehmer muss man antizyklisch denken… Aber im Ernst Das Wort Medienkrise ist arg strapaziert worden in den vergangenen Jahren. Krisen kann man nur dadurch bewältigen, dass man dagegen angeht. So wie Sie es selber tun. Und so wie wir es machen.  Für Monopol war die Zeit einfach reif.

Monopol ist eines von mehreren neuen Magazinen, die zunächst durch ihre opulente Bebilderung und ihre feine Typographie auffallen. Warum hat offenbar – thematisch unabhängig – die gute Optik von Magazinen generell so stark an Bedeutung gewonnen?

Illies: Ich glaube nicht, dass Magazine heute schöner sein müssen als früher. Schon der „Querschnitt“ in den zwanziger Jahren, die „Jugend“ vor hundert Jahren, das waren mit allen Mitteln der Kunst gestaltete Magazine. Was stimmt: Bilder sind heute wichtiger geworden, der heutige Mensch will die Welt vor allem visuell erfassen. Und die Ansprüche der Leser  wachsen da – vor allem auch durch die internationalen Magazine.

Sie haben in Ihren Büchern Ihre Generation charakterisiert. Jetzt habe die „Generation Golf“ das Bedürfnis nach einer sinnlichen Befriedigung ihrer ästhetischen Sehnsüchte, sagten Sie im Interview mit der Welt am Sonntag. Woher kommt dieses Bedürfnis?

Illies: Die vergangenen Jahrzehnte mit ihrer manchmal fast höllischen Geschwindigkeit der technischen Innovationen haben kaum Zeit gelassen, ästhetische und andere sinnliche Bedürfnisse zu entwickeln – geschweige denn zu befriedigen.


 
Woher wissen Sie von diesem Bedürfnis?

Illies: Durch persönliche Erfahrung, Kalkül und Instinkt -  all dies zusammen hat Amelie von Heydebreck und mich zur Gründung dieses Titels ermutigt.


 
Wer sollte Monopol lesen?

Illies: Idealerweise dasselbe Publikum, welches sich auf einer spannenden Vernissage trifft: Künstler, Kuratoren, Sammler, kunstinteressierte Laien. Und die Menschen, die gerne ein Magazin lesen, daß Ihnen zeigt, wie viel Gegenwart in der zeitgenössischen Kunst steckt.

„Monopol“, so sagen Sie im Interview mit der Welt am Sonntag, soll kein Magazin nur für Kunstexperten sein. Sie wollen theoretischen Ballast abwerfen (vgl. Berliner Zeitung) und möglichst „un-feuilletonistisch“ (vgl. Handelsblatt) sein.

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Trotzdem sprechen Sie eher ein Elite-Publikum an – wann sollte man „Monopol“ lieber nicht lesen?

Illies: Ich weiß nicht, von welcher Elite sie hier genau sprechen. Wenn wir eine Elite ansprechen, dann die, die noch Augen im Kopf hat. Monopol sollte man nicht lesen, wenn man sich nicht überraschen und nicht verführen lassen will.


Monopol ist ein Magazin für „Kunst und Leben“. Kritiker meinen, dass das „Leben“ in den beiden bisherigen Ausgaben noch zu kurz gekommen sei. Sehen Sie hier auch Verbesserungsbedarf? Wie könnte dieser aussehen?

Illies: Sollten Sie darauf anspielen, das wir uns in der ersten Ausgabe noch relativ unpolitisch verhalten haben, so gebe ich Ihnen recht. Da gab es Verbesserungsbedarf. Die zweite Ausgabe finden wir diesbezüglich schon ganz gelungen. Andererseits ist es für uns eben besonders wichtig, auch in der Kunst das „Leben“ zu entdecken. Denn es steckt in ihr drin – man muß es nur zeigen.

Welche Rollen könnten politische Themen in Ihrem Magazin für „Kunst und Leben“ in Zukunft spielen?

Illies: Gesellschaftspolitische Themen werden bei uns immer eine wichtige Rolle spielen, da sie  ebenso eine Realität der Kunst sind wie deren ökonomische Bedingungen.

Der Einfluss von Bildern und Videos auf die internationale Politik hat zweifelsohne zugenommen. In „Monopol“ geht es auch um Bilder – in der Kunst. Doch gibt es auch Schnittmengen mit dem „realen“ Leben, zum Beispiel in der künstlerischen Verarbeitung von Selbstmordanschlägen durch Mathilde ter Heijne, die in Ihrer aktuellen Ausgabe interviewt wird. Im amerikanischen Magazin „The New Yorker“ wird das Politische mit dem Literarischen verknüpft. Inwiefern könnte dieses Magazin ein Vorbild für Ihre Zeitschrift sein?

Illies: Der New Yorker ist eine großartige Zeitschrift, steht aber ganz für sich. Als wir Monopol gegründet haben, haben wir nicht auf andere Magazine oder auf andere Länder geschielt. Es ging uns nie darum, etwas zu machen, wie. Monopol ist ein gänzlich neues Konzept.
 

Wie erklären Sie sich den Effekt der Veröffentlichung der Folterbilder aus Abu Ghureib, während die unbebilderten Berichte des Roten Kreuzes zunächst medial unbeachtet geblieben sind?

Illies: In einer globalisierten visuellen Zeit haben die Bilder mehr Macht als die Worte – weil die Codes und deren Verletzungen weltweit in Sekunden-bruchteilen verstan-den werden können.

Was halten Sie von der Veröffentlichung von Videoaufnahmen, die terroristische Handlungen zeigen? Notwendig für die allgemeine Information oder unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt?

Illies:  ...

DIE GEGENWART DANKT

Die Gegenwart dankt der Agentur Ostkreuz und  Jens Rötzsch herzlich für die kostenlose Bereit-stellung der Porträtbilder von Florian Illies.

Terroristen spielen gekonnt auf der Klaviatur der westlichen Medienlandschaft. Sind die Medien durch Veröffentlichung großer Bilderstrecken und Videobotschaften im Fernsehen zum Sprachrohr des Terrorismus geworden?

Illies: Die Medien sind sicher eine der stärksten Waffen der Terroristen (und natürlich auch ihrer Verfolger). Schon die RAF nutzte bei Schleyer auf perverse Weise die Mittel des Medialen.

Wird ein Künstler auf die Idee kommen, Terrorvideos (z.B. die Ermordung von Nicholas Berg) in einem Kunstwerk zu verarbeiten?

Illies: Das ist nicht ausgeschlossen. Doch die Videokunst kannte Bekennervideos schon lange vor den Bekennern. 


 
Würden Sie so eine Kunst in „Monopol“ veröffentlichen?

Illies: Das ist abstrakt schwer zu beantworten. Vermutlich: Nein.






 


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